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Jahrhunderte schauen auf euch herab", dies soll Napoléon seiner
Armee angesichts der Pyramiden zugerufen haben. Unsere Stadt lädt
ein zum "Rundgang durch zwei Jahrtausende." Wir sind im freundlichen
Schatten des tausendjährigen Domes von Spuren der christlichen Geschichte
umgeben. Größe und Elend der Vergangenheit kommen in den Blick,
Glaubensstärke und Irrwege. Gerade die bedeutenden Zeugnisse aus
der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Worms, wie Synagoge und
alter Judenfriedhof, sind Mahnung, Verpflichtung und Bereicherung zugleich.
Das Reformationsdenkmal im Zentrum der Stadt erinnert an die Bedeutung
des Wormser Reichstags für die Geschichte aller Evangelischen. Dennoch
könnte die zu direkte Orientierung an der monumentalen Gestalt des
Reformators uns Heutige überfordern, oder auch dazu verführen,
den Mund zu voll zu nehmen.
Beim
Wormser Reformationsdenkmal finden sich aber auch vier sogenannte Vorreformatoren
zu Füßen Luthers, in Größe und Statur uns selbst
ähnlicher. Außerdem sind sie mehr noch als der Reformator in
der einen mittelalterlichen Kirche verwurzelt. Zudem stehen sie auch für
den europäischen Horizont unserer Zukunft. Diese vier möchte
ich Ihnen als Modelle des Christseins näherbringen.
Als ersten nenne ich Jan Hus aus Böhmen. Manche haben in seinem auf
das Dorf Husinec bezogenen Nachnamen einen Anklang an das tschechische
Wort "Husa", die Gans hören wollen. Daraus wurde dann ein
Wortspiel mit Luther als einem Schwan, der 100 Jahre nach Hus unüberhörbar
wurde. Doch das gehört möglicherweise in den Bereich dessen,
was der spätere böhmische Landsmann, Schwejk Josef mit Namen,
so kommentiert hätte: "es ist die Wahrheit, oder mecht`, doch
wenigstens gern so gewesen sein!" Hussens Blick ist fest auf den
Gekreuzigten gerichtet. Dort war der Dreh- und Angelpunkt seines Denkens
und Handelns. Dieser Glaube hat ihn gestärkt und ihm neue Wege eröffnet.
Dafür hat er sein Leben riskiert und in solchem Vertrauen ist er
1415 gestorben. Dass wir nicht allein sind, sondern zu Jesus Christus
gehören, das ist unser einziger Trost im Leben und im Sterben.
Der Engländer John Wiclif, ein indirekter Lehrer von Jan Hus, schaut
voller Konzentration in die Bibel. So sehr wir unseren Verstand gebrauchen
müssen, um uns selbst in unserer Welt zu verstehen, es ist die heilige
Schrift, durch die Gott uns anredet. Von der Bibel mit anderen ins Gespräch
über Glauben und Leben gezogen zu werden, ist das Beste, was uns
religiös passieren kann, auch heute angesichts exotisch-neureligiöser
Erfahrungssuche.
Der um 1200 gestorbene Petrus Waldes blickt gleichsam aus der Bibel heraus.
Was er, der ehedem reiche Kaufmann aus Lyon, vom Glauben und vom einfachen,
christlich-glaubwürdigen Leben in der Schrift gelernt hatte, das
wollte er auch anderen mitteilen und als Wanderprediger hat er den entsprechenden
Stab und Hut bei sich. Er ist der sogenannte Laie in unserer Runde der
Vorreformatoren. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass er das
Evangelium immer von mindestens Zweien gemeinsam verkündigt und gelebt
wissen wollte. Weil sich die Waldenserprediger nicht in vereinzelt-väterlicher
Überordnung verstanden, ließen sie sich lieber "barbie",
Onkelchen, nennen. Es erstaunt kaum, dass es in dieser Welt auch predigende
Schwestern und Tantchen gab. Als Onkel oder Tante mit der Bibel gemeinsam
mit anderen unterwegs zu sein, ist eine lohnende Perspektive.
Hieronymus (Girolamo) Savonarola schließlich hatte auch nach seinem
Tod 1498 lange eine sehr schlechte "Presse", nicht nur bei den
Geschichtsschreibern. War der Dominikanermönch aus Florenz doch ein
überaus harter Gegner gesellschaftlicher und religiöser Mißstände,
kritisch bis zur Erbarmungslosigkeit. Drohend ragt sein Zeigefinger hervor.
Manche empfinden kritische Worte aus dem Bereich der Kirchen heute offenbar
ganz ähnlich: Einmischerisch, anmaßend und lieblos. Andere
wiederum vermissen gerade die scharfen und dadurch klärenden Worte.
Dabei sind prophetische Taten und unbequeme Worte ganz wesentliche Aspekte
unseres Glaubens, wenn auch nicht die einzigen.
Einmal
abgesehen davon, daß Savonarola selbst wohl etwas unfair gesehen
wird, denke ich, die Menschen hören und erwägen solch unbequemes
Reden und Tun, wenn es im Blick auf den Gekreuzigten entstanden ist, wie
bei Jan Hus, wenn es klar an der Schrift geprüft wurde, wie Wiclif
das tat und wenn es nachbarschaftlich – solidarisch lebend vermittelt
wird, wie von Petrus Valdes. In
diesem Sinne versuchen wir unsere Arbeit in der Gegenwart zu gestalten
Dekan
Harald Storch
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Martin Luthers
Verteidigungsrede auf dem Reichstag
zu Worms am 18. April 1521
Mehr zu Luther:
www.luther.de
Kaum
eine andere euro-päische Stadt besitzt eine derartige Vielfalt bedeut-samer
baulicher Zeugnisse einer reichen jüdischen Ge-schichte und Tradition
aus zehn Jahrhunderten wie "Warmaisa".
Mehr
zu Jüdisches Worms
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"Gerade die bedeutenden Zeugnisse aus der Geschichte der jüdischen
Gemeinde in Worms, wie Synagoge und alter Juden-friedhof, sind Mahnung,
Verpflichtung und Bereicherung zugleich."
Dekan Harald Storch
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